Kommentare

Laura Ressler
06. Mai 2021, 10:14

Projektleiterinnen: DSA Mag.a Andrea Pilgerstorfer und Mag.a Elke Dergovics

Christoph Redelsteiner
06. Mai 2021, 10:22

Liebes Team, was wäre wenn ein Peer wieder NutzerIn wird. Wäre das ein Rollenkonflikt oder wie wäre zu agieren?

Angelika Neuer
06. Mai 2021, 10:33
 
 
 
 
 
 

Gibt es in den Ergebnissen auch Erfahrungen von "Stolpersteinen" und Schwierigkeiten bei der Einbindung von Peers im Sozialpsychiatrischen Bereich?

Birgit Mayrhofer-Wind
06. Mai 2021, 10:35

Lieber Herr Redelsteiner,

das wäre situationsabhängig. Prinzipiell wird in der Peer-Beratung entsprechend dem Recovery-Ansatz nicht davon ausgegangen, dass vollständige Genesung das Ziel ist, sondern dass sich stabile und instabile Phasen abwechseln können.

Das bedeutet, dass es auch von den jeweiligen Peer-Berater*innen individuell zu beurteilen wäre, ob sie die Peer-Funktion weiter ausüben möchten.

Da Erfahrungswissen und eigene Betroffenheit zentrale Werkzeug der Peer-Tätigkeit sind, sehen wir darin keinen Rollenkonflikt – ob sich ein*e Peer-Berater*in zu einem bestimmten Zeitpunkt eher in der Rolle des*der Nutzer*in sieht, wäre jedoch ebenfalls individuell.

Laura Ressler
06. Mai 2021, 10:43

Liebe Frau Neuer,

Voraussetzungen für eine gute Einbindung der Peers sind unter anderem die Offenheit des Vereins für Veränderungen und die Bereitschaft dafür, Strukturen kritisch zu hinterfragen, wofür die Funktion der Peers besonders hilfreich ist. Unsere Ergebnisse haben gezeigt, dass die Peers eine Sonderstellung im Verein einnehmen und zur Wahrung dieser Sonderposition ein interner peer-spezifischer Austausch nötig ist.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Tätigkeit für die Peers selbst herausfordernd sein kann: Vor allem in den Besprechungen in den multiprofessionellen Teams kann es schwierig sein, die Peer-Perspektive zu vermitteln. Hilfreich hierfür sind Peer-Zweier Teams pro Standort, was im Verein LOK bereits so umgesetzt ist. Auch der bereits erwähnte peer-spezifische Austausch wirkt dieser Herausforderung entgegen.

Laura Ressler
06. Mai 2021, 11:13

Das wäre unsere vorbereitete Präsentation gewesen:

Wir haben im Zuge unserer Masterarbeit eine Praxisforschung in Kooperation mit dem Verein LOK durchgeführt und hatten hierfür auch durchwegs eine Kooperationspartnerin, Petra Derler, die Leiterin der Peer-Berater*innen im Verein.

Wir haben dort die Rolle der Peer-Arbeit aus drei unterschiedlichen Perspektiven beforscht. Ziel war es, den Stauts quo im Hinblick auf die Rollenkonstruktion der Peer-Arbeit zu analysieren und zu beleuchten, welche Merkmale die Peer-Rolle prägen. Hierfür wurden die Perspektiven von Peers, Nutzer*innen und Betreuer*innen (mit verschiedenen psychosozialen Quellberufen, u.a. auch Soziale Arbeit) integriert. Wir wollten auch herausfinden, ob sich die in der Literatur beschriebene Rollenunklarheit auch im Verein LOK wiederfindet.

Die Grafik veranschaulicht unseren zirkulären Forschungsprozess, der mit der Funktionsbeschreibung der Peers begann. Für den Leitfaden der Gruppendiskussion (die von uns beobachtet wurde) flossen erste Auswertungsschritte der Einzelinterviews und der Funktionsbeschreibung ein sowie Kriterien aus der Theorie.

Ausgewertet wurde das Material mit der Dokumentarischen Methode, die sich besonders gut eignet, im fallübergreifenden Vergleich Homologien herauszuarbeiten, Handlungsorientierungen der Peer-Mitarbeiter*innen zu rekonstruieren sowie Merkmale zu identifizieren, welche die Peer-Rolle prägen.

Unsere Ergebnisse zeigen eine weitgehende Rollenklarheit der Peer-Berater*innen. Als zentrales Merkmal der Peer-Arbeit im Verein LOK wurde Recovery-Orientierung identifiziert. Die eigene Betroffenheit und das Erfahrungswissen werden von den Peer-Berater*innen in das Peer-Setting und die Teams eingebracht und haben positive Auswirkungen auf die Beratungsbeziehung, die von Nähe zwischen Nutzer*innen und Peer-Berater*innen geprägt ist. Außerdem führt Peer-Beratung zu einer Netzwerkerweiterung für die Nutzer*innen. Das Team der Peer-Berater*innen hat innerhalb des Vereins eine Sonderstellung – vor allem gekennzeichnet durch Freiheit in der Gestaltung des Angebots und Freiheit von Zielen in der Beratung. Das Peer-Setting begünstigt in der Folge die Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmung der Nutzer*innen.

Der regelmäßige Austausch innerhalb des Teams der Genesungsbegleiter*innen hat sich als das wichtigste Instrument herauskristallisiert, um Rollensicherheit zu erlangen und ihre Sonderposition im Verein zu schützen.

Peer-Berater*innen nehmen eine Vermittler*innenfunktion ein – zwischen Nutzer*innen und anderen Mitarbeiter*innen des Vereins aber auch externen Akteur*innen wie z.B. Ärzt*innen. Sie sehen es als ihren Auftrag, im Verein und darüber hinaus in der sozialpsychiatrischen Versorgungslandschaft festgefahrene Strukturen im Sinne der Nutzer*innen zu verändern.

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